• Michael Kurt Sonntag

Weltmünzenatlas – Deutschland


Lage, Landesnatur, Bevölkerung und Religion

Die Bundesrepublik Deutschland grenzt im Osten an Polen und Tschechien, im Süden an Österreich und die Schweiz, im Westen an Frankreich, im Nordwesten an Luxemburg, Belgien und die Niederlande und im Norden an die Nordsee, Dänemark und die Ostsee. Ebenfalls zu Deutschland gehören die Ostfriesischen Inseln, Helgoland, der größte Teil der Nordfriesischen Inseln, Fehmarn, Poel, Rügen, der überwiegende Teil von Usedom sowie einige andere kleine Inseln. Die maximale Ausdehnung der Bundesrepublik beträgt 876 km von Nord nach Süd und 640 km von West nach Ost. Der höchste Gipfel Deutschlands ist die Zugspitze (2962 m über NN) im Wettersteingebirge in Bayern, an der Grenze zu Österreich. Während die großen Flüsse Rhein, Weser und Elbe das meiste Wasser des Landes zur Nordsee hin ableiten, befördert die Donau einen kleinen Teil zum Schwarzen Meer hin. Klimatisch gesehen, befindet sich Deutschland in der gemäßigten Zone, nimmt allerdings eine mittlere Position zwischen dem maritimen Klima Westeuropas und dem kontinentalen Klima Osteuropas ein. Aufgrund der westlichen Winde, die stets genügend Feuchtigkeit vom Atlantik zu uns bringen, regnet es zu allen Jahreszeiten, doch sind die Niederschlagsmengen an den Westseiten der Gebirge höher als an den Ostseiten. Bis 1945 lebten in Deutschland fast ausschließlich Deutsche – Polen, Dänen und Sorben waren insgesamt nur eine geringe Minderheit. Durch die Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte seit den 1960ern und den Zuzug von Flüchtlingen und Asylanten aus diversen Teilen der Welt in den Jahrzehnten danach, veränderte sich die Homogenität der Bevölkerung. Etwa 25,5 Mio. Menschen gehören zur katholischen Glaubensgemeinschaft, rund 24,8 Mio. zur evangelischen, 250 000 zur Gemeinschaft der evangelischen Freikirchen und etwa 1,2 Mio. zur Gemeinschaft der orthodoxen Christen diverser Ostkirchen. Die größte nicht christliche Religionsgemeinschaft stellen die Muslime mit über 3,3 Mio. Menschen. Die Zahl der in den jüdischen Kultusgemeinden organisierten Personen beläuft sich auf 105 000.

Kurzer Streifzug durch die Geschichte Deutschlands

Am 18. Januar 1871 vereinigten sich vier Königreiche, sechs Großherzogtümer, fünf Herzogtümer, sieben Fürstentümer, drei Freie Städte zum Deutschen Reich (hinzu kam noch das Reichsland Elsaß-Lothringen). Der preußische König Wilhlem I. wurde im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles zum Deutschen Kaiser ausgerufen. Obwohl wirtschaftlich äußerst erfolgreich, geriet das Deutsche Reich nach der Entlassung seines Reichskanzlers Bismarck (1890) außenpolitisch mehr und mehr in die Krise und schlitterte schließlich 1914 in den Ersten Weltkrieg. Mit der Niederlage, der anschließenden Ausrufung der Republik (9. November 1918), der Abdankung Kaiser Wilhelms II. (offiziell erst am 28. November 1918) und der Abdankung aller übrigen Monarchen (ebenfalls im November 1918) fand das Kaiserreich sein Ende. Ihm folgte 1919 die Weimarer Republik, die sich im Inneren zunächst gegen Angriffe von links- und rechtsradikalen Kräften behaupten mußte und mit einer hohen Inflation und einer zerrütteten Wirtschaft zu kämpfen hatte. Nachdem die galoppierende Inflation und der Kapitalmangel ab November 1923 beseitigt und auch die Reparationen neu geordnet worden waren (Dawes-Plan 1924) erholte sich auch die Wirtschaft mehr und mehr und eine Phase der Stabilität machte sich breit. Infolge der Weltwirtschaftskrise von 1929 und der anschließenden großen Depres­sion, die auch das Wirschaftsleben in Deutschland zunehmend lähmte – die Zahl der Arbeitslosen stieg auf über 6 Mio. –, radikalisierte sich in den frühen 1930ern auch die politische Landschaft erneut und die Republik geriet in eine ernste Staatskrise. Mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler (30. Januar 1933) und der Zustimmung der Parlamentsmehrheit zum Ermächtigungsgesetz (24. März 1933) fand die Weimarer Republik faktisch ein Ende. Das Dritte Reich entwickelte sich schnell zu einem totalitären Staat, in dem die Diktatur einer Partei – der NSDAP – und eines Führers – Adolf Hitlers – zum Maßstab aller Dinge wurden. Alles Demokratische wurde ausgemerzt und alles was der politischen Ideologie des Nationalsozialismus nicht entsprach, wurde verboten und gnadenlos verfolgt. Zudem wurden Rassengesetze eingeführt und Konzentrationslager errichtet, mit Hilfe derer man Menschen völlig entrechtete, enteignete und vernichtete, die nicht arisch waren oder von ihren ideologischen Überzeugungen nicht lassen wollten (Kommunisten, SPD-Anhänger, Gewerkschaftler etc.). Durch eine massive Aufrüstung ab 1936 wurde ein Krieg vorbereitet, der ab 1939 ganz Europa ins Elend stürzte, sich schließlich zum Zweiten Weltkrieg auswuchs und an dessen Ende nicht nur zigmillionen Tote zu beklagen waren, sondern auch ein völlig vernichtetes und zerbombtes Deutschland stand. Da das Dritte Reich bei seiner bedingungslosen Kapitulation am 9. Mai 1945 im Osten von der Sowjetunion und im Westen von den drei allierten Westmächten England, Frankreich und den USA besetzt worden war und sich Sowjets und Westmächte in den Jahren danach ideologisch immer unversöhnlicher gegenüberstanden, kam es 1949 zur Bildung zweier deutscher Staaten. In der DDR baute man ab da den Sozialismus auf und folgte in der SED, der einzig de facto regierenden Partei im Politbüro, in allen ideologischen Fragen dem Vorbild der KPdSU. Darüber hinaus wurden ideologische Gegner des Sozialismus bespitzelt, verfolgt, schikaniert, eingesperrt oder als Landesverräter ermordet und so ein totalitäres Herrschaftssystem geschaffen. 1961 errichtete die SED-Führung zudem die Mauer, die Ost- und Westdeutschland und West- und Ostberlin voneinander trennte und es ihren Bürgern unmöglich machte, die DDR zu verlassen. In der BRD folgte man dagegen der sozialen Marktwirtschaft und der Regierung durch ein demokratisches Mehrparteien-Parlament und ließ die Bürger frei reisen. Doch obwohl beide Staaten seit 1955 auch unterschiedlichen Militärblöcken angehörten und die Ideologie des kalten Krieges ihnen wenig Spielraum zur Versöhnung ließ, führte die Ostpolitik der BRD in den frühen 1970ern zu intensiven Kontakten zwischen DDR und BRD, zu einer Reihe neuer Vertragswerke, zur internationalen Anerkennung der DDR, zur Aufnahme beider deutscher Staaten in die UN und zu Reiseerleichterungen für die Bürger. Dazu mußten im Vorfeld noch etliche Gräben während der 1980er überwunden werden, einige Politiker ihre Rhetorik – Reich des Bösen – überdenken und auch in der Sowjetunion erst Michail Gorbatschow an die Macht gelangen, der mit „Perestroika“ und „Glasnost“, die Struktur des gesamten Ostblocks grundlegend ändern sollte. Erst als diese äußeren Bedingungen erreicht waren, konnten die friedlichen Proteste in der DDR Früchte tragen und Deutschland schließlich am 3. Oktober 1990 wieder ein einig Vaterland werden.

Die Münzen Deutschlands

Am 4. Dezember 1871 wurde die Mark als einheitliche Reichswährung eingeführt, die wiederum in 100 Pfennige unterteilt wurde. Hauptwährungsmünze war das 10-Mark-Goldstück, auch Krone genannt. Ergänzt wurde dieses von einem goldenen 20-Mark-Stück (Doppelkrone) und einer goldenen 5-Mark-Münze (halbe Krone) – letztere prägte man nur 1877/78. Darüber hinaus verausgabte man auch noch Silbermünzen zu 20 und 50 Pfennig und zu 1, 2 und 5 Mark. Silberne 3-Mark-Stücke wurden erst ab 1908 geprägt. Außerdem gab es noch unedle Kleinmünzen zu 1, 2, 5, 10, 20 und 25 Pfennig. Um die galoppierende Inflation, die sich 1922/23 nach dem verlorenen Krieg und den verheerenden Bedingungen des Versailler-Diktats ergeben hatte, in den Griff zu kriegen, emittierte man ab dem 15. November 1923 Rentenbankscheine zum Kurs von 1 Rentenmark = 1 Billion Papiermark und prägte 1923 und 1924 Münzen zu 1, 2, 5, 10 und 50 Rentenpfennig und zu 1 und 3 Mark. Mit Einführung der Reichsmark 1924 brachte man auch Silbermünzen zu 1, 2, 3 und 5 Reichsmark und unedle Kleinmünzen zu 1, 2, 4, 5, 10 und 50 Reichspfennig aus. Goldmünzen waren zwar ebenfalls geplant worden, gelangten aber nie zur Ausgabe, stattdessen behielten die Goldmünzen des Kaiserreichs ihren Kurswert. Im Dritten Reich wurden die Münzen zu 4 Reichspfennig, 3 Mark bzw. 3 Reichsmark und die Goldmünzen des Kaiserreichs eingezogen, die Silbermünzen zu 2 und 5 Reichsmark aber beibehalten – allerdings hatte man ihre Silberlegierung erhöht und ihre Durchmesser verringert. Anstelle der silbernen 1-Mark- bzw. 1-Reichsmark-Stücke prägte man solche aus reinem Nickel. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden aber Nickelmünzen und alle Vorkriegsmünzen bis auf ein paar Ausnahmen eingezogen und durch Geldscheine und Münzen aus Zink oder Aluminium ersetzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in den Besatzungszonen der Siegermächte Währungsreformen durchgeführt. Im Westen wurde am 20. Juni 1948 die Deutsche Mark (West) zu 100 Pfennig und im Osten am 24. Juni 1948 die Deutsche Mark (Ost) zu 100 Pfennig eingeführt. Rechnungsgrundlage für beide Währungen war: 10 Reichsmark = 1 Deutsche Mark. Die Kursmünzen, die man in der BRD ausbrachte, lauteten auf 1, 2, 5, 10 und 50 Pfennig, 1, 2 und 5 Mark. Hierbei bestanden alle Münzen aus unedlen Metallegierungen, nur die 5-Mark-Stücke (1951–1974) waren aus 625er Silber, danach aus Magnimat. Die Kursmünzen der DDR umfaßten die Nominale 1, 2, 5, 10, 20 und 50 Pfennig, 1 und 2 Mark. Sie wurden alle aus unedlen Metallen geprägt. Die Gedenkmünzen in der BRD beinhalteten die Nominale 5 und 10 Mark und die Gedenkemissionen der DDR umfaßten die Nominale 5, 10 und 20 Mark. In der DDR brachte man nur die 10- und 20-Mark-Stücke in Silber (800er, 626er, 500er) und die 5-Mark-Münzen in Cu-Ni-Zn aus. In der Bundesrepublik prägte man die 5-Mark-Stücke zunächst in 625er Silber und dann in Magnimat. Die 10-Mark-Münzen dagegen brachte man stets nur in Siber, zunächst 625er und dann 925er, aus. Am 1. Januar 1999 wurde dann im vereinigten Deutschland der Euro auf der Grundlage 1,95583 DM = 1 Euro eingeführt. Der Euro wurde in 100 Cent unterteilt. Anders als die Umlaufmünzen zu 1, 2, 5, 10, 20 und 50 Cent und 1 und 2 Euro, die nur aus unedlen Metallegierungen bestehen, wurden die Gedenkmünzen zu 10 Euro zwischen 2002 und 2010 aus 925er Silber und von 2011 bis 2015 aus 625er Silber und aus Kupfernickel geprägt. Die Goldmünzen zu 20 Euro (seit 2010), zu 100 Euro (seit 2002) und zu 200 Euro (nur 2002) brachte man dagegen stets nur in 999,9er Feingold aus.

Quellen: Abb. 1: Münzhandlung Künker, Osnabrück; Abb. 2, 5: Münzen am Zoo, Pollandt, Berlin; Abb. 3: Münzhandlung Franquinet, Crailsheim; Abb. 4: Münzhandlung Reinhard Schimmer GmbH, Nürnberg; Abb. 6: Münzhandlung Tobias Honscha, Isernhagen. Den erwähnten Münzhandlungen sei an dieser Stelle ausdrücklich und herzlich gedankt.

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