• Michael Kurt Sonntag

Weltmünzenatlas – Curaçao


Lage, Landesnatur, Bevölkerung und Religion

Die Insel Curaçao, die seit 2010 ein autonomes Land innerhalb des niederländischen Königreichs ist, befindet sich im Karibischen Meer. Sie ist Teil der Inseln unter dem Winde, die dem venezolanischen Festland vorgelagert sind und Bestandteil der Kleinen Antillen. Westlich von Curaçao befindet sich die Insel Aruba und östlich davon die Insel Bonaire. Curaçao liegt etwa 60 km vom Festland entfernt. Im Gegensatz zu den oft sehr bergigen und zum Teil auch vulkanischen Großen Antillen, ist Curaçao sehr flach. Die höchste Stelle bildet mit 375 m der Sint-Christoffelberg. Weil die Insel sehr flach ist, bringen die Luftmassen – vor allem der Nordost-Passat – aber nur wenig und vor allem nur unregelmäßigen Regen. Die Niederschlagsmenge schwankt im Jahr von 200 bis 1200 mm. Aus diesem Grund gibt es auch keine ständigen Flüsse. Das Klima ist ein semiarides (halbtrockenes) Tageszeitklima. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 28 °C. Die Bevölkerungsmehrheit stammt von ehemaligen afrikanischen Sklaven ab, etwa 6% sind Nachfahren niederländischer Einwanderer und ein kleiner Teil geht auf die indigenen Arawak-Indianer zurück. Darüber hinaus gibt es Nachfahren sephardischer Juden sowie Gastarbeiter aus Asien, Südamerika und der Karibik, die in der Ölindustrie des Landes beschäftigt sind. Die Katholiken sind die größte Religionsgemeinschaft, gefolgt von den Protestanten, den Juden und etlichen anderen Glaubensrichtungen.

Kurzer Streifzug durch die Geschichte Curaçaos

Entdeckt wurde Curaçao 1499 vom Spanier Alonso de Ojeda. Weil die dort wohnenden Arawak-Indianer von beachtlicher Größe waren, nannten die Spanier die Insel „Isla de los Gigantes“ (Insel der Riesen). Bei den Arawak-Indianern hieß sie „Curaçao“, ein Name, der sich schließlich durchsetzte. Ein paar Jahre später deportierten die Spanier die Arawak-Indianer aufs Festland zur Zwangsarbeit und besiedelten die Insel ab 1527 neu. 1634 wurde Curaçao vom Niederländer Johan van Walbeeck für die Niederländisch Westindische Kompanie erobert. Die besagte Kompanie machte die Insel dann zum Zentrum für den karibischen Sklavenhandel. Zur Zeit der Napoleonischen Kriege (1807–1815) besetzten und verwalteten die Briten die Insel, übergaben sie 1816 aber wieder an die Niederländer. Nachdem die Briten und die Franzosen die Sklaverei 1834 und 1848 abgeschafft hatten, schafften sie auch die Niederländer am 1. Juli 1863 ab. Ab da sank die wirtschaftliche Bedeutung Curaçaos beträchtlich, zumal es weder agrarisch noch industriell viel zu bieten hatte. Größere wirtschaftliche Bedeutung erlangte das Land erst wieder mit der Entdeckung großer Erdölvorkommen während der 1930er. Wurde doch das in Venezuela entdeckte Öl in zunehmendem Maße in Curaçao raffiniert. Heute gehört der Umschlag und die Raffinierung des am Golf von Venezuela gewonnenen Erdöls zum Hauptwirtschaftszweig Curaçaos. Doch auch der Tourismus, das Offshore-Banking und die Freihafennutzung Willemstads – einer der bedeutendsten Freihäfen der Welt – sind wichtige Wirtschaftszweige der Insel. 1952 wurde die niederländische Kolonie Curaçao Teil der Niederländischen Antillen. Diese wiederum genossen seit 1954 innere Autonomie, hatten ein eigenes Parlament und eine eigene Exekutive. Zu den Niederländischen Antillen gehörten außer Curaçao noch Aruba (bis 1985), Sint Maarten, Bonaire, Saba und Sint Eusta­tius. Am 10. Oktober 2010 lösten sich die Niederländischen Antillen jedoch auf. Curaçao und Sint Maarten wurden eigenständige Länder innerhalb des niederländischen Königreichs und Bonaire, Saba und Sint Eustatius wurden niederländische Gemeinden. Interessant ist, daß die drei Gemeinden seit dem 1. Januar 2011 den US-Dollar als Zahlungsmittel verwenden, während Curaçao und Sint Maarten am 1. Januar 2013 den Karibischen Gulden einführten (100 Cent = 1 Karibischer Gulden). Staatsoberhaupt von Curaçao ist seit 2013 der niederländische König Wilhelm Alexander, der in Abwesenheit von einem Gouverneur – zur Zeit von Frits Goedgedrag – vertreten wird.

Die Münzen Curaçaos

Da Curaçao von 1952 bis 2010 Teil der Niederländischen Antillen war, galten in Curaçao auch 100 Cent = 1 Gulden der Niederländischen Antillen. Zu den Kursmünzen, die man ab 1952 prägte, gehörten 1 und 2½ Cent in Bronze, 5 Cent in Kupfernickel, 1/10 und ¼ Gulden in 640er Silber und 1 und 2½ Gulden in 720er Silber. Weil die niederländische Monarchin Juliana (1948–1980) auch Staatsoberhaupt der Niederländischen Antillen war, zierte ihr Porträt auch etliche der Niederländischen Antillen-Münzen. Ab 1969 brachte man allerdings keine Kursmünzen mehr in Silber aus, sondern prägte die 10 und 25 Cent sowie die 1 und 2½ Gulden aus Nickel. Von 1980 an trugen die 1 und 2½ Gulden jedoch das Porträt der neuen Königin Beatrix (1980–2013). Im Jahr 1986 schied Aruba, das einen Sonderstatus erhielt, aus dem Verband der Niederländischen Antillen aus. Dies hatte zur Folge, daß man aus dem Wappenschild des Staatswappens einen Stern entfernte – es fanden sich jetzt nur noch fünf statt früher sechs Sterne – und ab 1989 auch die Kursmünzen völlig neu gestaltete. Doch veränderte man nicht allein die Münzseiten mit dem Staatswappen auf den Nominalen 1, 2½ und 5 Gulden, sondern gestaltete alle Nominale neu und benutze auch ganz neue Münzmetalle. So brachte man die 1 und 5 Cent aus Aluminium, die 10 und 25 Cent aus mit Nickel galvanisiertem Eisen und die 50 Cent, 1, 2½ und 5 Gulden aus mit Bronze galvanisiertem Nickel aus. Interessant und bemerkenswert ist, daß obwohl die Niederländischen Antillen 2010 aufgelöst und Curaçao und Sint Maarten nun eigenständige Staaten waren, die Münzen auch hiernach noch das Staatswappen der Niederländischen Antillen und die Umschrift DE NEDERLANDSE ANTILLEN aufwiesen und auch bis heute aufweisen. Währungstechnisch gehen Curaçao und Sint Maarten seither in einer Union zusammen, blieben aber zunächst beim Gulden der Niederländischen Antillen. Erst am 1. Januar 2013 ersetzten sie diesen durch den Karibischen Gulden, der ebenfalls in 100 Cent unterteilt wird. Die ehemaligen Antillenmitglieder Bonaire, Saba und Sint Eustatius wiederum, die seit 2010 niederländische Gemeinden sind, verwenden seit 1. Januar 2011 den US-Dollar als Zahlungsmittel. Sehr viel beliebter noch als die Kursmünzen sind bei Sammlern jedoch die Gedenk- und Sondermünzen Curaçaos bzw. der Niederländischen Antillen. Mit diesen größtenteils aus Gold und Silber bestehenden Münzen erinnert man an bedeutende Ereignisse im niederländischen Königshaus, an historische Errungenschaften und Ereignisse in den Niederlanden und den Niederländischen Antillen, an wichtige historische Persönlichkeiten, an internationale Sportwettkämpfe, an internationale Organisationen und internationale Jahre, an bedeutende Besuche, an große Leistungen herausragender Persönlichkeiten, aber auch an den Denkmalschutz auf den Niederländischen Antillen, an den 50. Geburtstag der Diozese Willemstad oder an den Abschied vom Staatsverband der Niederländischen Antillen. Als Edelmetall-Legierungen überwiegen 925er Silber und 900er Gold, vorkommen tun ausnahmsweise aber auch 500er Silber und 999er Gold. Hergestellt wurden und werden die Münzen Curaçaos fast ausnahmslos bei der Koninklijke Nederlandse Munt in Utrecht. Einige wenige Ausgaben wurden allerdings auch bei der Royal Canadian Mint in Ottawa, der Franklin Mint in Philadelphia (USA) und der US-Mint in Denver geprägt.

Quelle: Abb. 1: Joliedor, Tönjes, Wilhelmshaven; Abb. 2, 4, 5: Münzen & Banknoten, Dr. Bernd Steidl, Dresden; Abb. 3: Emporium Hamburg, Hamburg; Abb. 6: Koninklijke Nederlandse Munt Utrecht. Den erwähnten Münzhandlungen und Münzstätten sei an dieser Stelle ausdrücklich und herzlich gedankt.

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