• Michael Kurt Sonntag

Weltmünzenatlas – China


Kurzer Streifzug durch die Geschichte Chinas

Obwohl das Gebiet des heutigen China bereits vom 16. Jahrhundert v.u.Z. bis zum 13. Jahrhundert u.Z. von zahlreichen chinesischen Herrscherdynastien regiert wurde, so erfuhr man in Europa von der Existenz des Kaiserreichs China erst durch die Reiseberichte des Venezianers Marco Polo (1271–1295) zur Zeit der Yuan-(Yüan-)Dynastie (1271/79–1368). Da der chinesische Kaiser Shi-zu bzw. Shih-tsu (1279–1294) allerdings kein Geringerer war als der große Mongole Kubilai und China seit dem Einfall der Mongolen zum mongolischen Weltreich gehörte, bestand während der Yuan-Dynastie eine ernsthafte Gefahr der Vernichtung der chinesischen Kultur. Diese Gefahr wurde erst gebannt, nachdem sich der letzte Yuan-Kaiser infolge von Volksaufständen in die Mongolei zurückzog und die Herrschaft in China 1368 an die chinesische Ming-Dynastie (1368–1644) fiel. Während der Regierungsperiode dieser Dynastie kamen auch wieder Europäer an den Kaiserhof und mit ihnen gelangten auch die europäischen Wissenschaften und das Christentum nach China. Nachdem die chinesischen Gebiete im Norden und Osten der Großen Mauer durch Krieg an die Mandschuren gefallen waren, China im Inneren durch Aufstände von Bauernarmeen erschüttert worden war, der letzte Ming-Kaiser Selbstmord begangen hatte und der Ming-General Wu Sangui mit seinen Truppen zur Qing-Armee der Mandschu übergelaufen war, übernahmen die Mandschu im Mai 1644 die Macht in Peking und errichteten die mandschurische Qing-(Ch’ing-)Dynastie, die dann bis zum Ende des Kaiserreichs 1911 Bestand hatte. Seit den 1830ern intervenierten Briten, Franzosen, Russen und Amerikaner verstärkt in China, führten Kriege – Opiumkrieg 1839–1842, Lorcha-Krieg 1856–1860 – und erzwangen so territoriale Abtretungen. Nach einem ersten Krieg mit Japan 1894/95 mußte China Koreas Unabhängigkeit anerkennen und Taiwan und die Pescadores an Japan abtreten. Als die ausländischen Mächte ihre Interessen durch den Ausbruch des fremdenfeindlichen Boxeraufstands 1899 plötzlich ernsthaft gefährdet sahen, rüsteten sie ein gemeinsames Expeditionsheer aus – zu diesem zählten auch deutsche und japanische Truppenverbände –, besetzten Peking im Herbst 1900 und schlugen den Boxeraufstand brutal nieder. Aufgrund von zu spät eingeleiteten innenpolitischen Reformen kam es 1911 zu Aufständen, zur Bildung einer Regierung in Nanking unter Sun Yat-sen, zur Abdankung des letzten chinesischen Kaisers der Qing-Dynastie, Puyi, und 1912 zur Ausrufung der Republik China. Das Land versank immer wieder im Bürgerkrieg. Bis 1927 kämpften regionale Militärführer um die Macht. Ab der Mitte der 1920er kämpften dann die Nationalisten unter Chiang Kai-shek (Jiang Jieshi) mit den Kommunisten um die Vorherrschaft. Weil Japan die Mandschurei 1931 besetzt hatte, dort 1932 den Staat „Mandschukuo“ ins Leben gerufen und ihn 1934 zum Kaiserreich proklamiert hatte, kam es 1937 nicht nur zum 2. Chinesisch-Japanischen Krieg, sondern auch zur Einstellung der Kampfhandlungen zwischen Nationalisten und Kommunisten und zur Bildung einer Einheitsfront gegen Japan. Diese Front hielt bis zur bedingungslosen Kapitulation Japans im August 1945. Danach zerbrach sie und von 1946 bis 1949 tobte erneut ein Bürgerkrieg zwischen Nationalisten und Kommunisten. Da die kommunistische Rote Armee Chinas bis 1949 das gesamte Festland erobern konnte und Chiang Kai-shek anschließend nach Taiwan floh, rief Mao Zedong am 1. Oktober 1949 die Volksrepublik China aus. Was dann folgte, war ein radikaler Umbau von Staat und Gesellschaft nach dem Vorbild eines Marxismus-Leninismus maoistischer Prägung. Doch obwohl die radikale Kollektivierungspolitik, die „Große Sprung nach vorn“-Bewegung und die Schaffung von Volkskommunen wirtschaftlich betrachtet, eine Sackgasse war, an deren Ende eine schwere Hungersnot mit Millionen von Toten stand, und die Partei dem uneingeschränkten Maoismus zunehmend skeptisch gegenüberstand, war Mao nicht bereit einzulenken. Während der sogenannten Kulturrevolution (1966–1976) ging er nämlich mit Hilfe der „Roten Garden“ gegen die Opposition in Partei und Staat vor und setzte in einer beispiellosen Terror- und Säuberungswelle die maoistische Linie brutal und gnadenlos durch. Auch stellte er die öffentliche Ordnung mit Hilfe der Armee wieder her. Gleichzeitig verschlechterten sich die Beziehugen zur Sowjetunion und verbesserten sich jene zu den USA und zum Westen – 1971 Aufnahme Chinas in die UN und in den UN-Sicherheitsrat, 1972 Besuch Nixons in China, 1979 diplomatische Anerkennung Chinas durch die USA. Nach dem Tod Mao Zedongs wurden ab 1978 wirtschaftliche Reformen eingeleitet. Politisch blieben die führende Rolle der KP, die Diktatur des Proletariats und die Ideologie des Marxismus-Leninismus aber erhalten, wenngleich kleinere privatwirtschaftliche Initiativen vermehrt zugelassen und radikale Gegner des neuen Kurses zwischen 1983 und 1986 aus der Macht gedrängt wurden. Zudem entspannte sich die Politik gegenüber der Sowjetunion mit Beginn der 1980er wieder vorsichtig. Durch die Kampagne zur Weiterführung der Wirtschaftsreform (1992), durch das „Reformprogramm zum Aufbau einer sozialistischen Marktwirtschaft“ (1993) und durch die wirtschaftliche Öffnung nach außen ab 1998 und die dazu notwendigen Reformen und ökonomischen Restrukturierungen im Inneren stieg China zwar mehr und mehr zur „Werkbank der Welt“ auf und erlebte fortan ein rasantes Wirtschaftswachstum, bekam aber auch ernsthafte Probleme – ansteigende Arbeitslosigkeit, verstärkte Urbanisierung, wachsendes soziales Gefälle, soziale Unruhen und Bauernrevolten, steigende Kriminalität, Wirtschaftsverbrechen, Behördenwillkür und Korruption und eine zunehmende Umweltverschmutzung und -gefährdung. Probleme auf die die Führung in Peking sowohl mit Härte, als auch mit regulierenden Eingriffen oder Konjunkturprogrammen und mit „reformwilligeren“ Fünfjahresplänen reagierte. Außenpolitisch normalisierte China seine Beziehungen zu Vietnam und Süd-Korea, setzte eine „strategische Partnerschaft“ mit Rußland um, gliederte 1997 Hongkong und 1999 Macao wieder in sein Staatsgebiet ein, unterstützte eine internationale Anti-Terrorallianz ab 2001 und wurde noch im selben Jahr in die WTO aufgenommen. Erheblich gespannter blieb das Verhältnis allerdings zu Taiwan und Japan. Die Beziehungen zu den USA sind zwar generell freundschaftlich aber bisweilen aufgrund von nicht unerheblichen Interessengegensätzen im pazifischen Raum doch auch recht kühl.

Die Münzen Chinas

Vor 1949 galten in China 10 Cash (Wen) = 1 Cent (Fen oder Hsien oder Mei), 10 Cents = 1 Dime (Jiao oder Hao), 100 Cents = 1 Dollar (Yuan); 10 Li = 1 Candareen (Fen), 10 Candareens = 1 Mace (Ch´ien), 10 Mace = 1 Tael (Liang), 1 Dollar = 7 Mace + 2 Candareens. Während die 1-, 2-, 5-, 10- und 20-Cash-Münzen in Kupfer oder Messing bisweilen auch in Bronze und Eisen ausgebracht wurden, prägte man die 5, 10, 20 und 50 Cents und die 1-Dollar-Münzen in Silber. Münzen in Li, Mace und Tael wurden, von wenigen kaiserzeitlichen Versuchsprägungen abgesehen, nicht für den allgemeinen Zahlungsverkehr geprägt. Im Prinzip blieben die Münznominale und -metalle der Kaiserzeit auch zur Zeit der Republik erhalten, allerdings änderten sich die Legenden entsprechend. Die mandschurischen Schriftzeichen verschwanden ganz und die Staatsbezeichnung und der Nominalwert wurden fortan nur in Chinesisch oder in Chinesisch und Englisch ausgewiesen. Ferner entfiel der kaiserliche Drachen sowie Ähren und Blattwerk. Kopf- und Brustbilder bedeutender Politiker und Militärs traten an deren Stelle. Auf den Rückseiten tauchten neue Bildmotive auf. Seit Mitte der 1930er traten dann Kupfernickel und Nickel als Münzmetalle in den Vordergrund und Silber wurde bis 1948 fast nur noch für Versuchsprägungen benutzt. Eines der am häufigsten auftretenden Rückseitenmotive dieser Zeit war eine alte Pu-Münze. Zusätzlich zu den bisher erwähnten zentralen Ausgaben des Kaiserreichs und der Republik gab es jedoch noch diverse Münzemissionen von vielen verschiedenen Provinzen, die zeitweise ein eigenes Münzrecht besaßen. Auf eine detaillierte Beschreibung dieser Gepräge wird hier aber verzichtet, da eine solche den Rahmen dieses Artikels eindeutig sprengen würde.

Nach Gründung der Volksrepublik China 1949 galten: 100 Fen = 10 Jiao = 1 (Renminbi) Yuan. Zu den ersten Münznominalen, die ab 1955/56 geprägt wurden und allesamt aus Aluminium bestanden, zählten 1-, 2- und 5-Fen-Münzen. 1980 erweiterte man das Repertoire der Kursmünzen dann noch um die Nominale 1, 2 und 5 Jiao sowie 1 Yuan. Vorderseitig zeigten alle Münzen das Staatswappen und rückseitig die Nominalangabe im Ährenkranz, außer der 1-Yuan-Münze, die auf der Rückseite die Chinesische Mauer abbildete. Interessant und bemerkenswert ist, daß die Volksrepublik China seit 1979 umfangreiche Gedenk- und Sondermünzprogramme in Silber und Gold auflegt. Ferner emittiert das Land bereits seit Jahrzehnten größere Mengen an Barrrenmünzen – Panda- und Lunar-Ausgaben – in Silber, Gold, Palladium und Platin und befriedigt damit einen nicht unerheblichen Teil der weltweiten Nachfrage nach edlen Anlagemünzen.

Quellen: Abb. 1: Emporium Hamburg; Abb. 2, 3 und 4: Münzen am Zoo, Pollandt, Berlin. Den erwähnten Münzhandlungen sei an dieser Stelle ausdrücklich und herzlich gedankt.

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