• Michael Kurt Sonntag

Weltmünzenatlas – Burundi


Lage, Landesnatur, Bevölkerung und Religion

Die in Ostafrika am nordöstlichen Ende des Tanganjika-Sees gelegene Republik Burundi – amtlich „Rundi Republika y’Uburundi“, französisch „République du Burundi“ – grenzt im Osten und Süden an Tansania, im Westen an die Demokratische Republik Kongo und im Norden an Ruanda. Das Land ist überwiegend von recht stark zerschnittenen Hochflächen bedeckt, die im Westen in einen Gebirgszug übergehen, der bis auf 2670 m Höhe aufragt und dann zum Tanganjika-See und dem Zentralafrikanischen Graben hin relativ steil wieder abfällt. Das Klima ist tropisch, wird aber durch die Höhenlagen deutlich abgemildert. Von Februar bis Mai und von September bis Dezember herrscht Regenzeit. Während Savanne und Weideland weit verbreitet sind, findet sich in den feuchteren Landesteilen auch schon mal Nebelwald. Obwohl Burundi einer der kleinsten afrikanischen Staaten ist, zählt es zu den am dichtesten besiedelten Ländern Afrikas. 80% der Gesamtbevölkerung sind Bantu-Stämme (sogenannte Hutus). Sie leben vor allem vom Ackerbau. 19% sind Hima (Tutsi). Sie führen ein Hirtendasein. Einige Tausend sind Twa (Pygmäen). Mit 65% stellen die Christen – allen voran die Katholiken – die größte Religionsgemeinschaft. Gefolgt wird diese von den Anhängern traditioneller afrikanischer Religionen, die rund 25% ausmachen. Etwa 10% der Bevölkerung sind Muslime.

Kurzer Streifzug durch die Geschichte Burundis

Nachdem die Tutsi aus dem Norden in das Gebiet des heutigen Burundi eingewandert waren, unterwarfen sie im 15./16. Jahrhundert die Pygmäen und die Ackerbau treibenden Hutu und schufen so den Staat Burundi, der die längste Zeit über von Tutsi-Königen regiert wurde. Der erste legendäre König war Ntare III. Rushatsi (1680–1709). Am 1. Juli 1890 wurde Burundi Teil von Deutsch-Ostafrika und blieb es bis 1916. Im Juni 1916 eroberten belgische Truppen Burundi. Am 20. Juli 1922 wurde es als Urundi zusammen mit dem Königreich Ruanda zum belgischen Mandatsgebiet Ruanda-Urundi. Autonomie bzw. Selbstverwaltung erlangte Burundi im Januar 1961. Am 1. Juli 1962 entließ Belgien Burundi unter UN-Aufsicht in die Unabhängigkeit. Burundi war ab da eine unabhängige konstitutionelle Monarchie. König blieb der seit 1915 regierende Mwambutsa IV. Ihm folgte 1966 Ntare V. auf den Thron. Im Juli 1966 putschte sich Michel Micombéro an die Macht, übernahm das Amt des Staatschefs und plante, den König zu ermorden. Doch dieser floh rechtzeitig in die Bundesrepublik Deutschland ins Exil. Am 29. November 1966 wurde die Republik Burundi ausgerufen. Regiert wurde die junge Republik von der von Tutsi dominierten UPRONA-Partei, die als Alleinherrscherin auftrat. Als sich die Hutu im April 1972 dagegen erhoben, wurde ihre Revolte brutal niedergeschlagen und ca. 100 000 Hutus getötet. Im November 1976 wurde Michel Micombéro gestürzt und Jean-Baptiste Bagaza Staatspräsident. Im September 1987 putschte das Militär unter Major Pierre Buyoya und Bagaza mußte sein Amt an Buyoya abtreten, der Burundi nun mit Hilfe des Militärkomitees der Nationalen Rettung regierte. Elf Monate später schlug die von den Tutsi beherrschte Armee gegen die Hutu zu, wobei Tausende Hutus zu Tode kamen. Infolge dieses Massakers stimmte die Bevölkerung 1991 einer Charta der Nationalen Einheit zu, die eine Demokratisierung und Schaffung eines Mehrparteiensystems vorsah. In der Folge wurde im Juni 1993 erstmals ein Hutu, Melchior Ndadaye, zum Staatspräsidenten gewählt. Doch die radikalen Tutsi im Militär schäumten vor Wut, putschten im Oktober 1993 und ermordeten den Hutu-Präsidenten. Daraufhin massakrierten die Hutu-Extremisten einen Teil der Tutsis und riefen eine Hutu-Rebellenbewegung ins Leben. In der Folge flohen 600 000 Menschen in die Nachbarstaaten Tansania, Ruanda und die Demokratische Republik Kongo. Im Januar 1994 wurde der Hutu Cyprien Ntaryamira Staatspräsident. Doch als er gemeinsam mit dem Präsidenten von Ruanda im April 1994 Opfer eines Mordkomplotts wurde, brach die Gewalt zwischen Hutus und Tutsi in Burundi erneut aus. Zwar einigten sich die Konfliktparteien im September 1994 darauf, die politische Krise beizulegen und bestätigten den Hutu Sylvestre Ntibantunganya im Amt des Staatspräsidenten, aber die Gewalt eskalierte bis 1996 dermaßen, daß im Juli 1996 die Armee unter dem Ex-Präsidenten Buyoya (einem Tutsi) die Macht übernahm. Der Konflikt, der sich inzwischen zu einem Bürgerkrieg ausgewachsen hatte, konnte allerdings nicht gestoppt werden. Erst im Dezember 2002 schlossen die Regierung und die größte Rebellenbewegung der Hutu ein Abkommen, das ein Ende der Kampfhandlungen und eine Beteiligung der Rebellen an der Regierung vorsah. Militärisch abgesichert wurde der nachfolgende Friedensprozeß 2003 durch Einheiten der Afrikanischen Union und 2004 durch UN-Truppen. 2005 trat eine neue Verfassung in Kraft, infolge derer bei den Parlamentswahlen vom Juli 2005 die ehemalige Hutu-Rebellenbewegung (CNDD-FDD) als Sieger hervorging. Im August desselben Jahrs wurde Pierre Nkurunziza von der CNDD-FDD zum Präsidenten gewählt – ein Gegenkandidat war nicht aufgestellt worden. Die Hutu-Rebellen der FNL kämpften allerdings auch hiernach weiter und legten ihre Waffen erst 2009 nieder und gründeten eine politische Partei. Vor den Parlamentswahlen von 2010 verstärkten sich die innenpolitischen Spannungen jedoch wieder. Trotzdem gelang es der CNDD-FDD, ihre Stellung zu behaupten und Präsident Pierre Nkurunziza wurde im Amt bestätigt. Einen Gegenkandidaten hatte es auch diesmal nicht gegeben, denn die Opposition und hierzu zählte auch die FNL, war den Wahlen ferngeblieben.

Die Münzen Burundis

Ab dem 1. Januar 1897 galten in Burundi, das seit dem 1. Juli 1890 ein Teil Deutsch-Ostafrikas war, 64 Pesa = 1 Indische Rupie. Am 28. Februar 1904 führte das Deutsche Reich für das Schutzgebiet eine Landeswährung ein. Hiernach galten 100 Heller = 1 Rupie. Gleichzeitig wurde ein Kurs zur Mark festgelegt, demzufolge 15 Rupien = 20 Mark entsprachen. Ebenfalls gesetzliche Zahlungsmittel waren die Goldmünzen: 10 Mark = 7½ Rupien, 20 Mark = 15 Rupien, 1 Pfund Sterling bzw. 1 Pfund der Burenrepublik Südafrika = 15 Rupien. Doch auch nachdem Belgien Burundi erobert hatte, blieben die deutsch-ostafrikanischen Heller- und Rupienmünzen noch einige Jahre gesetzliche Zahlungsmittel. Diese wurden erst 1923 bzw. 1925 außer Kurs gesetzt (vgl. hierzu Kurt Jaeger, Die deutschen Münzen seit 1871, 23. Auflage, Deutsch-Ostafrika, S. 834). Am 10. Oktober 1927 führte Belgien in seinem Mandatsgebiet Ruanda-Urundi den Kongo-Franc ein, der in 100 Centimes unterteilt wurde. Am 2. September 1960 wurde der Ruanda- und Burundi-Franc (ohne Unterteilung) Landeswähung. Die Bevölkerung konnte die neue Währung aber ohne Verlust gegen die alte eintauschen, da 1 Ruanda- und Burundi-Franc mit 1 Kongo-Franc pari stand. Das seit dem 1. Juli 1962 unabhängige Königreich Burundi nutze zunächst weiterhin die Ruanda- und Burundi-Francs als Umlaufwährung, emittierte aber zur Staatsunabhängigkeit fünf Sondermünzen – eine zu 5 Francs in 900er Silber und vier zu 10, 25, 50 und 100 Francs in 900er Gold. Diese trugen auf ihren Vorderseiten das Porträt des Königs Mwambutsa IV. und auf ihren Rückseiten das Staatswappen. Am 19. Mai 1964 führte das Königreich dann den Burundi-Franc (Franc Burun­dais) ein. Dieser wurde ebenfalls nicht unterteilt und konnte gegen den nur vier Jahre älteren Ruanda- und Burundi-Franc auf der Grundlage 1:1 umgetauscht werden. Interessant ist, daß sich das Königreich bei der Emission der neuen Umlaufmünzen auf die Ausgabe einer 1-Franc-Messingmünze von 1965 (Auflage: 10 Mio. Ex.) beschränkte – Vs. Staatswappen, Rs. Wertangabe –, dafür aber vier Gold- und fünf Silbermünzen auf den 50. Jahrestag der Thronbesteigung (1965) von König Mwambutsa IV. und fünf Silbermünzen auf die Krönung von König Ntare V. (1966) ausgab. Münzen, die die Porträts der erwähnten Könige auf ihren Vorderseiten und das Staatswappen auf den Rückseiten zeigen. Nach der Abschaffung der Monarchie und der Proklamation der Repbulik (1966) wurden ab 1968/1970 neue Kursmünzen zu 1 Franc und zu 5 Francs in Aluminium emittiert. Im Unterschied zu diesen nur wenig spektakulären Umlaufmünzen hatte man aber bereits 1967 zur 1. Jahrfeier der Republik fünf Münzen in 900er Gold in den Nennwerten 10, 20, 25, 50 und 100 Francs ausgegeben, mit denen man nicht nur die neue Staatsform, sondern gleichzeitig auch den Staatspräsidenten Michel Micombéro feierte, der sich im Juli 1966 an die Macht geputscht hatte und das Land anschließend zehn Jahre lang regierte. Schließlich trugen alle Goldmünzen die uniformierte Büste Micombéros auf ihrer Vorderseite und das Staatswappen auf der Rückseite. Daß sich die technischen Parameter und die Ikonografie dieser Münzen von jenen des Königs Mwambutsa IV. bis auf die Legenden kaum unterscheiden, ist das eigentlich Bemerkenswerte an ihnen. Ab 1976 brachte man dann neue, ikonografisch leicht veränderte Varianten der 1- und 5-Francs-Kursmünzen in Aluminium heraus. Ferner bedachte die Repbulik Burundi die UN-Sonderorganisation für Ernährung, Landwirtschaft, Fischerei und Forstwesen (FAO) mit Gedenkmünzen zu 10 und 50 Francs in unedlem Cu-Ni oder Eisen, prägte 5000-Francs-Silbermünzen auf die Geschichte der Luftfahrt und auf afrikanische Tierbabys. Diese Silberausgaben bestehen aus 999er Silber und wurden zum Teil eingefärbt. Hergestellt wurden die Münzen Burundis von der Usine Genevoise de Dégrossissage d’Or in Genf (Schweiz), von der Argor SA in Chiasso (Schweiz), von der Münze Österreich AG in Wien, von der British Royal Mint in Llantrisant von der Pobjoy Mint® in Sutton bzw. Kingswood (England) und von der Vereinigte Deutsche Metallwerke AG in Altena (Deutschland).

Quelle: Abb. 1: Münzen am Zoo, Pollandt, Berlin; Abb. 2–4: Münzversandt Hardelt, Kaiserslautern; Abb. 5: Günter Weiner e. K., Wangen im Allgäu. Den erwähnten Münzhandlungen sei an dieser Stelle ausdrücklich und herzlich gedankt.

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