• Michael Kurt Sonntag

Weltmünzenatlas – Bulgarien


Kurzer Streifzug durch die Geschichte Bulgariens

In der Antike war das Staatsgebiet des heutigen Bulgariens Bestandteil der historischen Landschaft Thrakien. Im 4. Jahrhundert v.u.Z. wurde es Teil des Makedonischen Reichs und gelangte im 1. Jahrhundert v.u.Z. in den Herrschaftsbereich Roms. Ab dem Ende des 5. Jahrhunderts wanderten Slawen in das Gebiet ein. Nach 675 übernahmen die turktatarischen Protobulgaren die Herrschaft und gründeten unter Chan Asparuch das erste Bulgarische Reich, das 681 vom Byzantinischen Reich anerkannt wurde. Unter Boris I. gingen die Bulgaren 864/65 zum orthodoxen Christentum über und führten ab 885 die kyrillische Schrift ein. Zwischen 972 und 1018 wurde Bulgarien – das erste Bulgarische Reich war nach 927 zerfallen – Teil des Byzantinischen Reichs. Doch um 1185/87 entstand das zweite Bulgarische Reich, das vorübergehend sogar zur führenden Balkan-Macht wurde. Um 1330 geriet dieses allerdings unter serbischen Einfluß und zerfiel 1363 in einzelne Teilreiche. Das aufstrebende Osmanische Reich verleibte sich 1388 Ostbulgarien, 1393 das Fürstentum Tarnowo und 1396 ganz Bulgarien ein. An dieser Situation konnten die Bulgaren trotz Aufstände und Heiducken-Aktionen während der nächsten Jahrhunderte nichts ändern. Erst der Russisch-Türkische Krieg von 1877/78 beendete die türkische Fremdherrschaft in Nordbulgarien und führte zusammen mit den Beschlüssen des Berliner Kongresses (1878) zur Entstehung des autonomen Fürstentums Bulgarien (8. Juli 1879). Zwar war dieses dem türkischen Sultan noch tributpflichtig und Südbulgarien als Provinz Ostrumelien weiterhin Teil des Osmanischen Reiches, doch wurde 1885 auch Südbulgarien in Personalunion mit dem Fürstentum Bulgarien vereinigt und Ferdinand I. aus dem Haus Sachsen-Coburg-Gotha. 1887 bulgarischer Fürst. 1908 gelang es Ferdinand die formelle Unabhängigkeit Bulgariens durchzusetzen – das Land wurde ein Königreich und Ferdinand I. bulgarischer Zar. 1912 schlossen sich Bulgarien, Serbien, Griechenland und Montenegro zum Balkan-Bund zusammen und kämpften im I. Balkan-Krieg 1912/13 vereint gegen die Osmanen. Hierbei erweiterte Bulgarien sein Staatsgebiet u. a. um die südliche Dobrudscha, Thrakien und Teile Makedoniens, die es nach dem II. Balkan-Krieg von 1913, in dem es isoliert gegen Serbien, Griechenland, Rumänien, Montenegro und die Osmanen gekämpft hatte, aber wieder verlor. 1915 schloß sich Bulgarien den Mittelmächten an und besetzte ganz Makedonien sowie die südliche Dobrudscha, mußte diese Gebiete im Frieden von Neuilly-sur-Seine (1919) jedoch wieder herausrücken. 1923 putschten die bulgarischen Offiziere und stürzten die Regierung, deren Ziel die Aufhebung des Großgrundbesitzes bzw. die Agrarreform war. 1934 wurden die politischen Parteien infolge eines erneuten Militärputsches aufgelöst. Ab 1935 regierte Zar Boris III. (1918–1943) durch persönliche Beauftragte auf autoritäre Weise. Nach dem 2. Wiener Schiedsspruch von 1940 mußte Rumänien die südliche Dobrudscha an Bulgarien zurückgeben. Ein Jahr später trat Bulgarien dem Dreimächtepakt bei und die deutsche Wehrmacht besetzte das Land. Nachdem die Rote Armee im September 1944 in Bulgarien einmarschiert war, wechselte das Land die Fronten und kämpfte von da an gegen die deutsche Wehrmacht. Am 15. September 1946 wurde die Volksrepublik Bulgarien proklamiert und das Land nach sowjetischem Vorbild bis 1949 in eine kommunistische Volksdemokratie

umgewandelt. Dabei wurde die politische Opposition, allen voran die Bauernpartei, ausgeschaltet, eine Bodenreform durchgeführt und jeglicher Widerstand durch stalinistischen Terror (Schauprozesse, Hinrichtungen, Straflager etc.) beseitigt. Durch die Verfassung von 1971 wurde die Freundschaft zur UdSSR sogar politisches Programm. Als in Osteuropa während der späten 1980er revolutionäre Veränderungen stattfanden, kam es ab 1988 auch in Bulgarien zur Bildung einer Bürgerbewegung und zu Protestaktionen. Massenproteste führten dann im November 1989 dazu, daß der Staatsratsvorsitzende und KP-Chef T. Schiwkow zurücktreten mußte und sein Nachfolger eine Demokratisierung einleitete. 1990 verzichtete die BKP (Bulgarische Kommunistische Partei) auf ihr Führungsmonopol, eine verfassungsrechtlich neue Republik und neue politische Parteien entstanden und im Juni 1990 wurden erstmals freie Wahlen abgehalten. Die Parteien, die in der Folge an die Macht kamen – es waren mehrere im schnellen Wechsel – setzten zwar eine Reformpolitik v. a. in der Wirtschaft durch, konnten aber die wirtschaftlichen und sozialen Probleme (Inflation, Arbeitslosigkeit und zum Teil bittere Armut) nicht lösen. Die Folge waren Hungersnöte (Winter 1996/97) und innere Unruhen. Diese führten zu vorgezogenen Parlamentswahlen 1997 und zum Sieg der bürgerlich-liberalen „Vereinigten Demokratischen Kräfte“. In den Parlamentswahlen von 2001 erhielt die Partei „Nationale Bewegung Simeon II.“ (NDST) eine deutliche Mehrheit und der ehemalige minderjährige Zar Simeon II. – er hatte 1946 bei der Ausrufung der Volksrepublik auf den Thron verzichtet – wurde zum Ministerpräsidenten Bulgariens gewählt. Da sich die Hoffnungen der Bulgaren auf mehr Wohlstand allerdings nicht erfüllten, verlor die NDST die Parlamentswahlen von 2005 und die sozialistische BSP wurde Sieger. Aber auch sie konnte sich letztlich nicht länger als vier Jahre halten, so daß 2009 die konservative Partei GERB als stärkste Kraft aus den Parlamentswahlen hervorging. Die harte Sparpolitik der neuen Machthaber führte jedoch zu allgemeiner Unzufriedenheit und zu scharfen Protesten gegen die hohen Strompreise (Februar 2013). Daraufhin trat die Regierung zurück und im Mai 2013 erfolgten Neuwahlen. Die Verluste der GERB bei diesen Wahlen waren zwar erheblich, doch blieb sie mit 30,5% der Stimmen stärkste politische Kraft, gefolgt von der BSP mit 26,6% und der DPS mit 11,3% der Stimmen. Die Regierung stellte aber nicht mehr die GERB, sondern eine Koalition aus BSP und DPS unter der Führung des parteilosen Finanzfachmannes Plamen Orescharski. Außenpolitisch orientierte sich Bulgarien während der 1990er ebenfalls neu. Zwar wahrte es einerseits die alten Bindungen zu Rußland, knüpfte aber neue wirtschaftliche und politische Beziehungen mit den Staaten Westeuropas und den USA. So schloß es 1993 einen Assoziationsvertrag mit der EG, unterzeichnete 1994 das NATO-Programm „Partnerschaft für den Frieden“ und wurde im März 2004 Mitglied der NATO. Seit dem 1. Januar 2007 ist Bulgarien auch EU-Mitglied. Dieser Mitgliedschaft waren von 2000 bis 2005 Beitrittsverhandlungen mit der EU vorausgegangen.

Die Münzen Bulgariens

Seit dem 4. Juni 1880 gelten in Bulgarien 100 Stotinki (Kantem, Centimes) = 1 Lew („Löwentaler“, Franc). Zu den Kursmünzen, die unter dem Fürsten Alexander I. von Battenberg (1879–1886) ausgebracht wurden, zählen die Nominale: 2, 5, 10 und 50 Stotinki sowie 1 Lew, 2 und 5 Lewa. Die ersten drei Nominale prägte man aus Bronze und die restlichen vier aus 835er Silber. Goldmünzen verausgabte man zu dieser Zeit nicht. Unter dem Fürsten Ferdinand I. (1887–1908) erweiterte man das Kursmünzenrepertoire dann noch um 1-, 2½- und 20-Stotinki-Stücke und um goldene 10-, 20- und 100-Lewa-Münzen. Allerdings stellte man die 2-Stotinki-Prägung ein, brachte die 2½-, 5-, 10- und 20-Stotinki-Münzen aus Kupfernickel und die 10-, 20- und 100-Lewa-Stücke aus 900er Gold aus. Zudem ersetzte man das Staatswappen auf allen Nominalen ab 50 Stotinki durch das nach links gewandte Porträt des Fürsten Ferdinand. Nachdem Ferdinand I. 1908 Zar bzw. König geworden war, erschien sein Kopf auf den 50 Stotinki, 1 Lew und 2 Lewa zunächst nach rechts gewandt und ab 1912 nach links gewandt. Reguläre Goldmünzen wurden keine mehr geprägt. Dafür wurden 1912 zum 25. Jahrestag der Thronbesteigung (als Fürst) eine 20- und eine 100-Lewa-Gedenkmünze in 900er Gold ausgegeben. Unter dem Nachfolger Ferdinands, Zar Boris III. (1918–1943), verzichtete man auf die Ausprägung von Kleingeld – mit Ausnahme der 50 Stotinki (1937) – und brachte nur noch Münzen zu 1 Lew, 2, 5, 10, 20, 50 und 100 Lewa aus. Doch bestanden nun alle Nominale bis zu 10 Lewa aus unedlen Metallen (Al, Cu/Ni oder Fe vernickelt). Die 20-, 50- und 100-Lewa-Münzen prägte man nur 1930 und 1934 in 500er Silber, danach gab es die 20- und 50-Lewa-Stücke in Cu-Ni oder in Cu/Ni-plattiertem Eisen. Auch trugen nur diese drei Münznominale das Kopfbild von Zar Boris III. Mit der Auflösung der Monarchie und der Ausrufung der Volksrepublik Bulgarien 1946 ordnete man auch das Münzwesen neu. Die Kursmünzen, die nun emittiert wurden, umfaßten nur noch die Nominale von 1 Stotinka bis 1 Lew, trugen alle das neue Staatswappen der Volksrepublik und bestanden allesamt aus Me oder Cu/Ni. Nach der Währungsreform von 1962, bei der 100 (alte) Lewa mit 1 (schwereren) Lew gleichgesetzt wurden, änderte man das Erscheinungsbild der Kursmünzen etwas, prägte die 3 und 25 Stotinki nicht mehr, stattdessen 2-Stotinki-Stücke, und brachte die Nominale ab 10 Stotinki nun nicht mehr in Cu/Ni, sondern in Cu/Ni/Zn heraus. Parallel dazu prägte man erstmals auch Gedenk- und Sondermünzen in großem Stil. Hierbei gedachte man einer Vielzahl von Geburts- oder Todestagen berühmter Persönlichkeiten oder Heiliger, feierte das Bestehen der Volksrepublik wiederholte Male, die 1300 Jahre Bulgarien sogar in 13 verschiedenen Ausgaben, gedachte internationaler Messen, Konferenzen und Sportwettbewerben aller Art, aber auch bedeutender bulgarischer Institutionen, historischer Ereignisse und bedrohter Tiere. Nach der Auflösung der Volksrepublik und der Proklamation der Republik Bulgarien (1990) wurden die Kursmünzen neu gestaltet. Statt dem Wappen der Volksrepublik erschien nun auf den 10, 20 und 50 Stotinki das Abbild eines historischen Löwen aus dem 12. Jahrhundert und auf den 1, 2, 5 und 10 Lewa das Felsrelief des Reiters von Madara. Auf die Ausprägung kleinerer Nominale als 10 Stotinki verzichtete man. Die unedlen Münzmetalle behielt man jedoch bei. Die Gedenkmünzenemission wurde und wird, von den Themen her betrachtet, im Prinzip fortgesetzt und beständig erweitert. Allerdings brachte und bringt man nun keine Münzen mehr auf die Volksrepublik aus, führte aber stattdessen gleich mehrere Serien mit dem Thema „Bulgarien in Europa“ ein. Die bulgarischen Gedenkmünzen gibt es in Silber (500er, 925er, 999er), in Gold (900er, 999er) und in Cu/Ni oder Al/Bro.

Quelle: Abb. 1-5: Berliner Münzversand Wolfgang Mehlhausen, Berlin-Karow. Der erwähnten Münzhandlung sei an dieser Stelle ausdrücklich und herzlich gedankt.

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