• Michael Kurt Sonntag

Weltmünzenatlas – Brasilien


Lage, Landesnatur und Bevölkerung

Die Föderative Republik Brasilien ist der größte Bundesstaat in Südamerika – nimmt 47% des Kontinents ein – und das fünftgrößte Land der Welt. Brasilien grenzt im Norden an Venezuela, Guyana, Suriname und Französisch-Guayana, im Nordwesten an Kolumbien, im Westen an Peru, Bolivien, Paraguay und Argentinien, im Süden an Uruguay und im Osten an den Atlantischen Ozean. Die Küstenlänge am Atlantik beträgt rund 7400 km. Ebenfalls zu Brasilien gehören diverse Inseln im Atlantik. Geografisch betrachtet, ist Brasilien dreigeteilt: Im Norden erstreckt sich das ausgedehnte Amazonas-Tiefland, in der Mitte das Brasilianische Hochland, das nach Osten und Süden hin ins Brasilianische Bergland übergeht und an der Atlantik-Küste steil abfällt und abbricht.

Kurzer Streifzug durch die Geschichte Brasiliens

Am 22. April 1500 entdeckte der portugiesische Seefahrer Pedro Álvares Cabral die Ostküste Brasiliens und nahm sie für Portugal in Besitz. Eine Besiedlung erfolgte jedoch erst 32 Jahre später. Ab 1549 regierte ein Vizekönig das Land – zunächst von Bahia und seit 1763 von Rio de Janeiro aus. Mit afrikanischen Sklaven betrieb man im Küstengebiet Zuckerrohranbau, der sich im Laufe der Zeit zu einer einträglichen Einnahmequelle entwickelte. 1807 flüchtete der portugiesische König Johann (João) VI. vor Napoleon nach Brasilien. In der Folge wurde Rio de Janeiro Residenz des Königshauses und ab 1822 auch Hauptstadt des portugiesischen Reiches. Nachdem Napoleon besiegt worden war und König Johann (João) 1821 wieder nach Portugal zurückgekehrt war, hätte Brasilien seinen alten kolonialen Status wieder annehmen sollen, doch weigerte es sich und erklärte sich stattdessen am 7. September 1822 für unabhängig. Peter (Pedro), der Sohn von König Johann, der als portugiesischer Regent in Rio de Janeiro geblieben war, wurde als Peter (Pedro) I. zum Kaiser ausgerufen und 1825 auch von Portugal anerkannt. 1888 wurde die Sklaverei aufgehoben. Als Folge des Kaffeeanbaus in São Paulo wuchs die Wirtschaft und stieg die Zahl der Einwanderer. 1889 wurde die Monarchie durch einen Putsch beseitigt und aus Brasilien ein Bundesstaat nach US-amerikanischem Vorbild gemacht. Die Industrialisierung, die zur Zeit des Ersten Weltkriegs begonnen hatte, wurde nach 1918 durch häufige Militärrevolten abgebremst und verzögert. Die Weltwirtschaftskrise von 1929 und der Zusammenbruch des Kaffeemarktes verstärkten die sozialen und finanziellen Schwierigkeiten und radikalisierten die politische Landschaft.

Ab 1985 versuchte Präsident Sarney auf Druck des Internationalen Währungsfonds, die großen Schuldenberge abzubauen und die Wirtschaftskrise zu überwinden. 1988 nahm das Land eine neue Verfassung an, die u. a. eine Direktwahl des Präsidenten vorsah und 1989/90 wurde F. Collor de Mello neuer Präsident. Seine Sanierungsbemühungen der Wirtschaft griffen aber nur vorübergehend und da er in eine Korruptionsaffäre verwickelt war, enthob ihn das Parlament 1992 seines Amtes. Sein Nachfolger wurde Vizepräsident I. Franco. 1993 wurde die Staats- und Regierungsform von der Bevölkerung bestätigt und am 1. Juli 1994 ein Stabilisierungsprogramm initiiert, das eine neue Währungseinheit, den „Real“, schuf und die bis heute letzte Währungsreform durchsetzte. Hiernach standen Real und US-Dollar pari. Ab 1994 setzten der neue Präsident F. Cardoso und sein Kabinett den Privatisierungsprozeß fort und lockerten das Staatsmonopol bei der Energieerzeugung, der Erdölförderung und der Telekommunikation. 2002 gewann der Gründer der Arbeiterpartei und ehemalige Führer der Gewerkschaft, Luiz Inacio Lula da Silva die Präsidentschaftswahl. Eine Radikalisierung der Proteste der Indigenen und Landlosen, die hiernach befürchtet wurde, konnte durch eine Agrarreform verhindert werden, die 2004 erste positive Ergebnisse zeigte.

Die Münzen Brasiliens

Von 1833 bis 1942 lautete die Währungseinheit Brasiliens auf Real (Plural: Réis) und war nicht unterteilt. Die ersten Münzen, die die Vereinigten Staaten von Brasilien – diese Bezeichnung trug das Land von 1889 bis 1988 – im 19. Jahrhundert prägten, waren Kursmünzen in Bronze (20, 40 Réis) und Kupfernickel (100, 200 Réis) und silberne Gedenkmünzen zu 400, 1000, 2000 und 4000 Réis auf den 400. Jahrestag der Entdeckung Brasiliens. Von 1906 bis zum Ersten Weltkrieg brachte man dann auch silberne Kursmünzen zu 500, 1000 und 2000 Réis aus, jedoch bestanden diese nur noch aus 900er Silber und nicht mehr wie die erwähnten Gedenkmünzen aus 916,67er Silber. Zwischen 1889 und 1922 emittierte man zudem goldene Kursmünzen zu

10 000 und 20 000 Réis aus 22karätigem Gold (916,67/1000). Am 1. November 1942 wurde die Währungseinheit in Cruzeiro umbenannt und in 100 Centavos unterteilt. Am 13. Februar 1967 folgte eine neue Währungsreform. Hierbei wurde die Währungseinheit in Cruzeiro Novo (neuer Cruzeiro) umbenannt und 1000 Cruzeiros mit 1 Cruzeiro Novo gleichgesetzt. Ab 15. Mai 1970 hieß der Cruzeiro Novo allerdings nur noch Cruzeiro. Am 1. März 1986 erhielt Brasilien wieder eine neue Währungseinheit und eine erneute Währungsreform. Ab jetzt galten 100 Centavos = 1 Cruzado und für 1 Cruzado mußte man 1000 Cruzeiros Novo aufbringen. 1988 wurden die Vereinigten Staaten von Brasilien in die Föderative Republik Brasilien umgewandelt und am 16. Januar 1989 erfolgte wieder eine Währungsreform. Der Cruzado Novo löste den Cruzado auf der Grundlange 1000 Cruzados = 1 Cruzado Novo ab. Am 19. März 1990 benannte man die Währungseinheit Cruzado Novo in Cruzeiro um, erlaubte den Wechsel der alten in die neue Währung aber auf der Grundlage 1:1. Drei Jahre später (1. August 1993) fand dann die nächste Währungsreform statt. Diese bestimmte den Cruzeiro Real zur neuen Währung und verfügte den Umtausch der alten in die neue Währung auf der Basis 1000 Cruzeiros = 1 Cruzeiro Real. Am 1. Juli 1994 kam es dann zur bisher letzten Währungsreform. Die neue Währung hieß nur noch Real (Plural:

Reais) und unterteilte sich in 100 Centavos, 1 Real = 2750 Cruzeiros Reais der alten Währung. Real und US-Dollar standen ab jetzt Pari. Doch Brasilien emittierte nicht nur Kursmünzen, sondern auch eine Vielzahl von Gedenkmünzen. Als Münzmetalle verwendete man meist Silber und Gold, doch kommen auch unedle Metalle wie Kupfernickel, Nickel, Stahl oder mit Bronze galvanisiertes Eisen vor. Beim Silber existieren Gedenkmünzen aus 500er, 800er, 900er und 925er Silber und beim Gold Legierungen aus 900er, 916,67er und 920er Gold. Hergestellt wurden die brasilianischen Kurs- und Gedenkmünzen bis auf wenige Ausnahmen in Rio de Janeiro bei der Casa da Moeda do Brasil.

Quelle: Abb. 1: Auktion & Münzhandel Dr. Christoph Stadler e.K., Bremen; Abb. 2: Münzversandt Hardelt, Kaiserslautern; Abb. 3: Joliedor, Tönjes, Wilhelmshaven; Abb. 4: Münzen am Zoo, Pollandt, Berlin; Abb. 5: Münzen & Banknoten, Dr. Bernd Steidl, Dresden. Den erwähnten Münzhandlungen sei an dieser Stelle ausdrücklich und herzlich gedankt.

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