• Michael Kurt Sonntag

Weltmünzenatlas – Bosnien und Herzegowina


Lage, Landesnatur, Bevölkerung und Religion

Bosnien und Herzegowina liegt in Südosteuropa, genauer gesagt auf der Balkanhalbinsel, und grenzt im Osten an Serbien, im Südosten an Montenegro und im Süden, Westen und Norden an Kroatien. Im Süden besitzt es zudem einen 20 km langen Küstenabschnitt zur Adria. Bos-nien und Herzegowina wird, wenn man mal von der fruchtbaren Posavina-Niederung im Norden absieht, größtenteils von Bergen und Gebirgsmassiven eingenommen. Im Unterschied zum stark bewaldeten zentralen Bosnischen Bergland, sind die Hochflächen des Dinarischen Gebirges (1000–1200 m Höhe) im Süden und Südwesten des Landes waldarm. Diese werden von Gebirgsketten und Bergmassiven umgeben, die bis über 2000 m hoch aufragen. An der Grenze zu Montenegro, im Südosten, findet sich mit dem 2386 m hohen Maglic der höchste Gipfel Bosniens und Herzegowinas. Im Bosnischen Erzgebirge, das Teil des Dinari-schen Gebirges ist, gibt es übrigens zahlreiche Bodenschätze, so z. B.: Eisen-, Mangan-, Antimon-, Blei- und Zinkerze sowie Bauxit und Braunkohle. Die Bevölkerung, die aus diversen Nationalitäten besteht, lebte bis zum Krieg von 1992–1995 stark durchmischt. Durch den Krieg und die anschließende Binnenmigration entstanden allerdings völlig neue ethnische Siedlungsmuster und die ethnische Segregation (Abspaltung) nahm stark zu. 48% der Bevölkerung sind muslimische (sunnitische) Bosniaken, 37% orthodoxe Serben und 14% römisch-katholische Kroaten.

Kurzer Streifzug durch die Geschichte Bosniens und Herzegowinas

Zwischen den Jahren 6 und 9 u.Z. wurde das Gebiet des heutigen Bosnien von den Römern erobert und der Provinz Illyricum bzw. der späteren Provinz Dalmatia eingegliedert. Bei der Teilung des Römischen Reiches im Jahr 395 fiel Bosnien an das Weströmische Reich. Gegen Ende des 5. Jahrhunderts kam es in den Herrschaftsbereich der Ostgoten und um 535 wurde es Bestandteil des Byzantinischen Reiches. Zu Beginn des 7. Jahrhunderts besiedelten Südslawen das Land. In den Jahrhunderten danach wurde Bosnien zum Zankapfel zwischen Serbien, Kroatien, Byzanz, Zeta (Montenegro) und Ungarn. Im 14. Jahrhundert stieg Bosnien zu einem bedeutenden Königreich auf, das nun sowohl Serbien als auch das Land Hum (seit dem Ende des 15. Jahrhunderts Herzegowina genannt) umschloß. 1463/82 kamen Bosnien und Herzegowina in den Herrschaftsbereich der Osmanen und war seit 1580 ein Paschalik. Nach den Beschlüssen des Berliner Kongresses von 1878 besetzte Österreich-Ungarn das Paschalik und annektierte es 1908. Am 28. Juni 1914 wurde der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajevo ermordet und damit letztlich der Erste Weltkrieg ausgelöst. Nach dem Zerfall des Vielvölkerstaats Österreich-Ungarn 1918, kam Bosnien und Herzegowina an das neu entstandene serbokroatisch-slowenische Königreich. 1941 wurde der größte Teil Bosniens und Herzegowinas Bestandteil des Staates Kroatien, der wiederum vom Deutschen Reich abhängig war. Nach der Gründung der Föderativen Volksrepublik Jugoslawien am 31. Januar 1946 wurde Bosnien und Herzegowina eine Republik Jugoslawiens. 1989/1990 begann Jugoslawien allerdings zu zerfallen. Im Oktober 1991 erklärte das Parlament Bosniens und Herzegowinas unter seinem muslimischen Präsidenten A. Izetbegovic trotz des Widerstands der serbischen Abgeordneten Bosnien und Herzegowina zum souveränen Staat. Daraufhin riefen die serbischen Parlamentarier am 9. Januar 1992 die Serbische Republik Bosnien und Herzegowina aus und wählten R. Karadzic zu ihrem Präsidenten. Was bald darauf folgte, war ein Bürgerkrieg zwi-schen den beiden neuen Staaten, der vor allem in den ethnischen Mischgebieten äußerst brutal geführt wurde. Hierbei vertrieben die bosnischen Serben und die bosnischen Kroaten, die seit 1993 auch gegen die muslimischen Bosniaken kämpften, die jeweils anderen Nationalitäten – das Schlagwort hierfür lautete „ethnische Säuberung“ – und lösten dadurch gewaltige Flüchtlingsbewegungen aus (bis 1995 über 2,2 Mio. Flüchtlinge). Die EU und die UNO versuchten deshalb, mit einem Waffenembargo gegen die am Krieg beteiligten Parteien, durch die Entsendung von UN-Blauhelmen und dem Einsatz von NATO-Kampfflugzeugen ein Ende des Krieges zu erreichen und den Frieden durch diverse Friedensinitiativen herbeizuführen. Doch weder die Bosniaken, noch die Serben zeigten sich bereit zum Frieden. Im Gegenteil, die Serben eroberten die UN-Schutzzonen Srebrenica und Zepa und verübten in Srebrenica ein grauenhaftes Massaker an den Bosniaken. Eine Kriegswende konnte erst im Juli 1995 durch NATO-Luftangriffe auf serbische Stellungen erreicht werden. Es folgte ein Waffenstillstandsabkommen am 12. Oktober 1995 und ein Friedensabkommen am 14. Dezember 1995 in Paris. Um die staatliche Einheit bei faktischer Teilung in die bosniakisch-kroatische Föderation und die Serbische Republik zu wahren und den Frieden zu sichern, wurden 1995 und 1996 NATO-Truppen entsandt und massive internationale Hilfen durch diverse Konferenzen beschlossen. Außerdem wählte man in den Jahren 1996, 1998 und 2000 das Bundesparlament und das gemeinsame Staatspräsidium mit turnusgemäßem Wechsel neu. Doch erst nach einer Verfassungsänderung von 2002 besserten sich die Dinge allmählich. 2003 nahm ein gemeinsamer Staatsgerichtshof seine Arbeit auf, 2004 kam es zur Bildung eines gemeinsamen Verteidigungsministeriums, 2006 trat das Land der „Partnerschaft für den Frieden“ der NATO bei und 2008 schloß Bosnien und Herzegowina ein Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit der EU. Die Ergebnisse der Präsidentschafts- und Parlamentswahlen von 2010 halfen, die Lage im Land weiter zu entspannen und den Frieden noch besser zu sichern.

Die Münzen Bosniens und Herzegowinas

Vor Juli 1992 galten in Bosnien und Herzegowina 100 Para = 1 Jugoslawischer Dinar. Am 2. Juli 1992 kam es zu einer Währungsumstellung, im Zuge derer 1 Jugoslawischer Dinar 1 Bosnisch-Herzegowinischen Dinar entsprach und der letztere in 100 Para unterteilt wurde. Am 15. Juli 1994 führte man dann eine Währungsreform durch, in der man 10 000 (alte) Bos-nisch-Herzegowinische Dinara mit 1 Neuen Bosnisch-Herzegowinischen Dinar (Novi Dinar) gleichsetze. 100 Para galten ab da = 1 Neuer Bosnisch-Herzegowinischer Dinar (Novi Dinar). Unter den Münzen, die man ab 1993 verausgabte, fanden sich allerdings keine regulären Kursmünzen, sondern nur Gedenk- und Barrenmünzen. Während die Gedenkmünzen auf Dinara lauteten, trugen die Barrenmünzen mit Gedenkcharakter zunächst die Wertbezeichnung Dukat (1993) und später Suverena (1994–1998). Sie wurden in Stückelungen zu 1 Unze Feinsilber (1 Suverena) und zu 1/25, 1/10, 1/5, 1/2 und 1 Unze Feingold bzw. 1/25, 1/10, 1/5, 1/2 und 1 Suverena Nominalwert ausgebracht. Die auf Dukat lautenden Nominale gab es nur in Gold in den Stückelungen 1/25, 1/10, 1/5, 1/2 und 1 Unze Feingold. Die Gedenkemissionen, die man auf den Internationalen Tag des Friedens 1993, 1994 und 1995 verausgabte, trugen ihre Wertangaben allerdings in der Kunstwährung ECU und nicht in Di-nara. Die Ausgaben zum Internationalen Tag des Friedens, die man wiederum 1996, 1998 und 1999 emittierte, lauteten aber auf Euro und nicht mehr auf ECU. Am 29. Juni 1998 stellte man die Währung erneut um. Es galten und gelten seither: 100 Neue Dinar (Novih Dinara) = 1 Konvertible Mark (Konvertibilna Marka). Diese wird in 100 Konvertibilne Pfennig (Kon-vertibilnih Feninga) unterteilt. Seit dem 29. Juni 1998 bestand auch Währungsparität zwischen der Konvertiblen Mark und der Deutschen Mark. Auch begann man ab da erst mit der Emission von regulären Kursmünzen aus unedlen Metallen (ab 1998: 10, 20 und 50 Feninga; ab 2000: 1 Marka und 2 Marke; ab 2005: 5 Feninga und 5 Maraka). Daß die vor 1997 emittierten Münzen nicht von der Zentralbank von Bosnien und Herzegowina autorisiert wurden, ist logisch, wenn man sich vergegenwärtigt, daß die erwähnte Bank erst am 20. Juni 1997 gegründet wurde. Folgt man dem Weltmünzkatalog von Gerhard Schön (42. Aufl. 2014), so wurden aber auch die auf Maraka lautenden Gedenkmünzen auf den 1. Todestag von Lady Diana (1998) und auf die XXVII. Olympischen Sommerspiele in Sydney (2000) nicht von der Zentralbank des Landes autorisiert. Als Münzmetalle verwendete man galvanisiertes Eisen, Kupfernickel und Nickelmessing für die Kursmünzen, Kupfernickel, Silber 925/1000 und Gold 999/1000 für die Gedenkmünzen und Silber 999/1000 und Gold 999,9/1000 für die Bar-renmünzen mit Gedenkcharakter.

Quellen: Abb. 1: Joliedor, Tönjes, Wilhelmshaven; Abb. 2 bis 5: Münzen & Banknoten, Dr. Bernd Steidl, Dresden. Den erwähnten Münzhandlungen sei an dieser Stelle ausdrücklich und herzlich gedankt.

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