• Michael Kurt Sonntag

Weltmünzenatlas – Bolivien


Lage, Landesnatur, Bevölkerung und Religion

Bei Bolivien handelt es sich um eine in den südamerikanischen Anden gelegene präsidiale Republik, die keinen direkten Zugang zum Meer hat. Sie grenzt im Westen an Chile und Peru, im Norden und Osten an Brasilien, im Südosten an Paraguay und im Süden an Argentinien. Geografisch betrachtet, fällt Bolivien vom Hochgebirge der Anden im Westen mit über 6000 m hohen Gipfeln, über das Bolivianische Bergland bis hin zum östlichen Tiefland, das sich über zwei Drittel der Landesfläche erstreckt, stark ab. Im Norden reicht dieses Tiefland bis in das feuchtheiße Randgebiet des Amazonas-Beckens und im Süden bis in das trockene Buschland des Gran Chaco. Zwischen den gewaltigen Gebirgsketten der Anden (den West- und Ostkordilleren) befindet sich zudem das 3000 bis 4000 m hohe „Altiplano“ genannte Bolivianiasche Hochland. In diesem liegt übrigens der Regierungssitz La Paz, die höchstgelegene Großstadt der Erde. Das Klima Boliviens ist tropisch und die Niederschläge fallen im Osten und Norden deutlich höher aus als im Westen und Süden. Ungefähr 50% der Bevölkerung sind Ketschua und Aimara (Hochlandindianer), 30% Mestizen, 15% Weiße spanischer Herkunft (diese bilden die „herrschende Oberschicht“) und der Rest Guarani (Tieflandindianer) u. a. indigene Minderheiten. Etwa 66% der Bevölkerung lebt in Städten. 97% aller Bolivianer sind Christen, davon rund 80% Katholiken. Die Bahais bilden die größte nichtchristliche Religionsgemeinschaft. Darüber hinaus gibt es noch eine recht kleine Anhängerschaft traditioneller indianischer Religionen.

Kurzer Streifzug durch die Geschichte Boliviens

Bevor die Spanier Südamerika eroberten, gehörte Bolivien zum Inka-Reich. Nach der Eroberung des Inka-Reichs 1532/33 durch Francisco Pizarro fiel 1538 auch Bolivien an die Spanier. Ab da war alles Teil des Vizekönigreichs Peru, das nahezu das ganze spanische Südamerika umfaßte. 1776 schlug man Bolivien dem neu abgetrennten Vizekönigreich Buenos Aires (La Plata) zu. Da die immensen Silbervorkommen von Potosi in Bolivien lagen, war Bolivien bis zum Ende des 18. Jh. der Hauptsilberlieferant Spaniens.

1824 besiegte General Antonio José de Sucre die spanische Kolonialmacht bei Ayacucho und rief am 6. August 1825 die Unabhängigkeit Boliviens aus. Erster Präsident des Landes (1825/26) wurde der Politiker und Anführer der lateinamerikanischen Unabhängigkeitsbewegung Simon Bolivar (1783–1830). Hochperu, wie Bolivien bis dahin geheißen hatte, löste sich 1825 von Buenos Aires und nannte sich nach Bolivar fortan Bolivien. 1884 verlor Bolivien seine Küstenprovinz Antofagasta an Chile, da es im Salpeterkrieg mit Chile als Verbündeter Perus 1879/80 unterlegen war. 1903 mußte es zudem seine Provinz Acre an Brasilien abtreten. 1917 brach das Land seine diplomatischen Beziehungen zum Deutschen Reich ab und geriet in der Folge wirtschaftlich unter US-amerikanischen Einfluß. Zwischen 1932 und 1935 hatte Bolivien einen verlustreichen Krieg mit Paraguay, um einen Zugang zum Meer geführt, doch brachte ihm der Friede von 1938 nur einen schmalen Zugang zum Paraguay-Fluß. Nach dem Zweiten Weltkrieg lösten Bauernunruhen, sozialrevolutionäre Staatsstreiche und Militärputsche einander ab. 1952 verstaatlichte Präsident Paz Estenssoro die Zinnminen Boliviens und begann 1953 eine Landreform. Wirtschaftliche Probleme und eine politische Radikalisierung prägten in der Folge das Land. 1964 übernahm die Armee unter General R. B. Ortuño die Macht und zerschlug 1967 mit Hilfe der USA die Guerilla-Organisation des „Che“ Guevara. Bis 1980 regierten dann diverse militärische Gruppierungen, die sich durch ständige Putsche gegenseitig aus der Macht drängten. Doch auch zwischen 1980 und 1985 konnte das Land nicht stabilisiert werden. Und auch der Sanierungsplan des 1985 gewählten Präsidenten Paz Estenssoro schien zunächst erfolglos. Doch ab 1986 erholte sich die Wirtschaft langsam und in der Folge konnten die diversen Regierungen die Demokratie festigen und längst überfällige Verwaltungs- und Sozialreformen in Gang bringen und Drogenkriminalität und -handel besser bekämpfen. Durch die 1992 vertraglich zugesicherten Nutzungsrechte an der peruanischen Hafenstadt Ilo erhielt Bolivien nach über 113 Jahren wieder einen Zugang zum Meer. Als dann im Dezember 2005 mit E. Morales erstmals ein Präsident der indigenen Bevölkerung gewählt wurde und dieser ganz ähnlich wie Hugo Chávez in Venezuela eine Verstaatlichung der Erdöl- und Erdgasindustrie am 1. Mai 2006 einleitete und auch eine „Neugründung“ des Staates anregte – am 14. Dezember 2007 nahm das Land eine neue Verfassung an –, schien sich die Lage zunächst zu entspannen. Allerdings hielt diese Entspannung nicht lange vor, denn schon bald gingen die Führer der wirtschaftlich starken Departements des bolivianischen Tieflands in Opposition zur Politik des Präsidenten und forderten mehr Autonomie für ihre Regionen. Zwar stellte sich Morales, um seinen Gegnern den Wind aus den Segeln zu nehmen, im August 2008 einem Referendum, welches ihn auch im Amt bestätigte, doch unterstützte die Bevölkerung gleichzeitig die Gouverneure der Tiefland-Departements. Als dann 2009 Parlaments- und Präsidentschaftswahlen abgehalten wurden, gingen E. Morales und seine MAS-Partei aus diesen als die unangefochtenen Sieger hervor. Zudem hatte man die Staatsbezeichnung 2009 auf der Grundlange der neu erarbeiteten Verfassung von „Republica de Bolivia“ (Republik Bolivien) in „Estado Plurinacional de Bolivia“ (Plurinationaler Staat Bolivien) umgeändert und damit erstmals der Tatsache Rechnung getragen, daß Bolivien keine rein spanische Republik war, sondern eine, in der auch andere bedeutende Nationen – die Nationen der Ketschua, Aimara und Guarani – lebten.

Die Münzen Boliviens

Vor 1963 galten 100 Centavos = 1 Boliviano und 10 Bolivianos = 1 Bolivar. Bis 1908 prägte man die Mehrheit der Kursmünzen (5, 10, 20 und 50 Centavos) aus 900er Silber. Allerdings brachte man einige 5- und 10-Centavos-Stücke mit geänderten Bildmotiven auch schon vom Ende der 1890er bis 1908 in Kupfernickel aus. 1909 prägte man dann auch die 20- und 50-Centavos-Stücke nur noch aus 833er Silber. Danach, d. h. von 1935 bis 1942, emittierte man alle Kursmünzen aus Kupfernickel, Zink oder Bronze. Erste Boliviano-Stücke (1, 5 und 10 Bolivianos) gab es erst ab 1951. Sie bestanden aus Bronze und zeigten mit Ausnahme der 10-Boliviano-Münze das Staatswappen auf der einen und den Wert im Kranz auf der anderen Seite. Das 10-Bolivianos-Stück dagegen zeigte auf seiner Vorderseite das Abbild Simon Bolivars und nannte auf der Rückseite den Nominalwert sowie die Verhältnisangabe 10 Bolivianos = 1 Bolivar. Interessant ist, daß auf die Verstaatlichung der Zinnminen 1952 Goldbarrenmünzen ausgegeben wurden, deren Unterteilung auf Gramm bzw. Gramos lauteten (3½, 7, 14 und 35 Gramm Feingewicht). Diese bestanden aus 900er Gold und zeigten das Staatswappen sowie einen Indianer, einen Minenarbeiter und einen Staatspräsidenten auf den Rückseiten. Am 1. Januar 1963 ersetzte man den Boliviano dann in einer Währungsreform durch den Bolivianischen Peso und tauschte alle Bolivianos auf der Grundlage 1000 Bolivianos = 1 Bolivianischer Peso in Bolivianische Pesos um. Die regulären Kursmünzen zu denen 5, 10, 20, 25 und 50 Centavos sowie 1 und 5 Pesos Bolivianos gehörten, prägte man alle aus nickelplattiertem Eisen. Diese motivgleichen Münzen zeigten das Staatswappen und nannten auf ihren Rückseiten den Nominalwert. Parallel dazu brachte Bolivien auch erstmalig Gedenkmünzen heraus – 1968 auf den FAO Welternährungstag (1 Peso), 1975 auf die 150jährige Unabhängigkeit des Staates (100, 250 und 500 Pesos Bolivianos aus 933er Silber) und 1979 auf das Internationale Jahr des Kindes (200 Pesos Bolivianos aus 925er Silber und 4000 Pesos Bolivianos aus 900er Gold). Durch eine erneute Währungsreform 1987 wurde der Peso Boliviano durch den Boliviano ersetzt. Das Umtauschverhältnis gestaltete sich wie folgt: 1 Mio. Pesos Bolivianos = 1 Boliviano. Die neugestalteten Umlaufmünzen zu 2 , 5, 10, 20 und 50 Centavos und 1 und 2 Bolivianos bestanden ausnahmslos aus Stahl. Die 5 Bolivianos dagegen waren ebenfalls aus Stahl, aber zusätzlich mit Nickel und Bronze galvanisiert. Mit Gedenkmünzen gedachte man der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus, den traditionellen Trachten und Tänzen, der 70jährigen Gründung der Zentralbank und dem 450. Gründungstag der Stadt La Paz. Da die Staatsbezeichnung 2009 geändert worden war, trugen auch die regulären Kursmünzen, die man ab 2010 ausbrachte, die neue Staatsbezeichnung. Die Münzmotive blieben gleich, allerdings wurde die Prägung der 2- und 5-Centavos-Stücke eingestellt und die 10 Centavos jetzt nicht mehr aus Stahl, sondern aus mit Kupfer galvanisiertem Eisen produziert.

Quelle: Abb. 1: Auktionen und Münzhandel, Dr. Christoph Stadler e.K., Bremen; Abb. 2, 6: Münzenversand Hardelt, Kaiserslautern; Abb. 3: Münzen am Zoo, Pollandt, Berlin; Abb. 4, 5: Münzen & Banknoten, Dr. Bernd Steidl, Dresden. Den erwähnten Münzhandlungen und Auktionshäusern sei an dieser Stelle ausdrücklich und herzlich gedankt.

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