• Michael Kurt Sonntag

Weltmünzenatlas – Bhutan


Lage, Landesnatur, Bevölkerung und Religion

Bhutan, amtlich „Druk Yul“ (Drachenreich bzw. Land des Donnerdrachens), ist ein Königreich im östlichen Himalaja. Es grenzt im Norden an China (Tibet) und im Westen, Süden und Osten an Indien, genauer gesagt an die indischen Bundesstaaten Sikkim, Westbengalen, Assam und Arunachal Pradesh. Geografisch betrachtet, fällt Bhutan vom Hohen Himalaja im Norden bis zum Ganges-Brahmaputra-Tiefland (der Duar-Ebene) im Süden stark ab. Aufgrund dieses Abfalls wird das Land in Nord-Süd-Richtung von den breiten Tälern der Nebenflüsse des Brahmaputra durchzogen. In den mittleren Abschnitten dieser Täler befinden sich die Hauptsiedlungsgebiete der Menschen. Im Norden herrscht alpines Klima mit extrem strengen Wintern und kühlen Sommern, im zentralen Teil gemäßigtes Klima und im Süden subtropisches bis tropisches Klima. Im Süden kommt es während der Regenzeit (von Juni bis Oktober) häufig zu Überschwemmungen. Etwa 60% der Bevölkerung sprechen Dzongkha – eine sinotibetische Sprache – und sind tibetischer Herkunft. Sie werden Bhutija genannt. 25% sind nepalesische Volksgruppen und die restlichen 15% sind indische Einwanderer. Rund 72% aller Einwohner sind Buddhisten, etwa 27% Hindus, 1% Muslime und etliche wenige Christen.

Kurzer Streifzug durch die Geschichte Bhutans

Im 7./8. Jahrhundert brachten Mönche aus Tibet und Indien den Buddhismus in das Gebiet Bhutans. Im 9. Jahrhundert wanderten die Bhutija von Tibet nach Bhutan ein und errichteten dort unabhängige Fürstentümer, die bis zum 17. ­Jahrhunderet Bestand hatten. Im 17. Jahrhundert (vermutlich ab 1616) einigte der ­tibetische Mönch Shabdrung Ngawang Namgyel dann diese unabhängigen Fürstentümer und schuf eine theokratische Königsherrschaft. Während dieser Zeit wurde der tibetische Buddhismus der Drukpa-Kagyü-Schule, der bereits seit dem 13. Jahrhundert in Bhutan existierte, zur Staatsreligion erhoben. Auch erhielt das Land seinen noch heute gültigen Namen Druk Yul. Später wurde eine geistlich-weltliche Doppelherrschaft errichtet. 1710 und 1730 wehrte sich Bhutan erfolgreich gegen Angriffe tibetisch-mongolischer Truppen. Nachdem bereits seit den frühen 1770ern ein Grenzkonflikt zwischen der britischen Ostindien-Kompanie und Bhutan bestanden hatte und die britische Kolonialmacht nach der Eroberung der indischen Provinz Assam (1826), die Kontrolle bhutanischer Grenzpässe anstrebte und 1864 und 1865 auch diverse Gebiete Bhutans besetzte und sie Britisch-Indien anschloß, mußte Bhutan 1865 die Hegemonie Britisch-Indiens anerkennen. 1907 wurde der ehemalige Statthalter Ugyen Wangchuk, der die Macht bereits 1895 mit Hilfe der Briten an sich gerissen hatte, zum König von Bhutan gewählt, die geistliche und weltliche Doppelherrschaft abgeschafft und die erbliche Monarchie eingeführt – die Dynastie Wangchuks regiert auch heute noch das Land. Im Protektoratsvertrag von 1910 erkannten die Briten die Unabhängigkeit Bhutans formell an, behielten aber die Kontrolle über die bhutanische Außenpolitik bei. 1949 schlossen Bhutan und das unabhängige Indien einen Freundschaftsvertrag, demzufolge Indien Bhutan Wirtschaftshilfe leistete und auch dessen Unabhängigkeit anerkannte, in der Außenpolitik allerdings die frühere Rolle Großbritanniens gegenüber Bhutan wahrnam. Weil die angestrebten Reformen von König Jigme ­Dorje Wangchuk (1952–1972) und seine Anlehnung an Indien von etlichen Offizieren und Beamten durchweg abgelehnt wurden, verschworen diese sich 1964/65 gegen ihn, ermordeten am 5. April 1964 den Ministerpräsidenten und verübten am 1. August 1965 ein Attentat auf den König, das jedoch mißlang. Der König, der die gesamte Staatsgewalt schon im November 1964 übernommen hatte, räumte dem Parlament 1968 zwar gewisse Gesetzgebungsrechte ein, doch blieben die politischen Parteien bis 2007 verboten. Die Privilegien der Lamas (der buddhistischen Priester) wurden eingeschränkt, die Leibeigenschaft abgeschafft und eine Bodenreform zur Beschränkung des Großgrundbesitzes eingeleitet. 1971 wurde Bhutan Mitglied der UNO. Ein Jahr später trat König Jigme Dorje Wangchuk zugunsten seines Sohnes Jigme Singye Wangchuk zurück. Unter dem neuen König (offizielle Krönung 1974) strebte Bhutan nach außenpolitischer Emanzipation und leitete 1989 eine rigorose „Bhutanisierungskampagne“ ein, die unter den Minderheiten der Nepalesen und Inder eine Fluchtbewegung nach Nepal und Indien zur Folge hatte. 1998 erweiterte der König die Rechte des Parlaments und unterstellte sich selbst dessen Autorität. Ferner kündete er für 2008 die Einführung einer Verfassung an, dankte dann aber schon 2006 zugunsten seines Sohnes Jigme Khesar Namgyal Wangchuk ab. Letzterer wurde am 6. November 2008 zum neuen König gekrönt. Am 24. März 2008 wurden erstmals Parlamentswahlen durchgeführt und am 18. Juli 2008 die erste geschriebene Verfassung des Landes angenommen, wonach Bhutan offiziell eine konstitutionelle Monarchie ist. Hierbei richtet sich das Land ganz nach dem britischen Vorbild und folgt dem Parlamentsmodell Großbritanniens – wie dort so gibt es auch in Bhutan ein Oberhaus (Nationalrat) und ein Unterhaus (Nationalversammlung). Die aus 47 gewählten Volksvertretern bestehende Nationalversammlung kann dem König theoretisch mit einer Zweidrittelmehrheit das Mißtrauen aussprechen und ihn zur Abdankung zugunsten des Thronfolgers zwingen, wenn dieser gegen die Verfassung verstoßen oder sich sonstiger schwerer Vergehen schuldig gemacht haben sollte. Künftig, so wurde in der Verfassung festgelegt, sollen alle Könige Bhutans die Krone an ihrem 65. Geburtstag an den Thronfolger abgeben.

Nun hat sich Bhutan außenpolitisch betrachtet durch seinen Beitritt zur UNO, zur Bewegung der Blockfreien Staaten, zum IMF, zur Weltbank und zur FAO seit 1971 von Indien auch etwas emanzipiert – im revidierten Freundschaftsvertrag von 2007 gestand Indien Bhutan sogar volle außenpolitische Autonomie zu –, doch ist sein Handlungsspielraum in der Außenpolitik aufgrund seiner geografischen Lage als Pufferstaat zwischen den mächtigen Nationen Indien und China dennoch nicht allzu groß. So verzichtete Bhutan bislang auf angebotene chinesische Entwicklungshilfe aus Rücksicht auf Indien. Problemlos annehmen darf das arme Bhutan allerdings die Entwicklungshilfe der europäischen Staaten.

Die Münzen Bhutans

Bis 1957 galten im Königreich Bhutan 64 Pice (Paise) = 1 Indische Rupie (Ngultrum). Am 1. April 1957 wurde ein Dezimalwährungssystem eingeführt, in dem 100 Naye Paise einer Indischen Rupie entsprachen. Am 16. April 1974 erfolgte dann eine Währungsumstellung. Bhutan führte statt der Indischen Rupie den Ngultrum ein und benannte dessen 100. Teil als Chetrum. Seither gelten 100 Chetrum = 1 Ngultrum (Rupie). Zwischen Ngultrum und Indischer Rupie herrscht allerdings Whärungsparität, d. h. 1 Ngultrum = 1 Indische Rupie. Das als Chetrum bezeichnete Hundertstel der Rupie benannte man 1979 in Chhertum und 1991 in Chhetrum um, ohne jedoch das Verhältnis zum Ngultrum (Rupie) zu verändern. Zu den auf Sertum oder Sertrum lautenden Goldmünzen muß gesagt werden, daß sie „außerhalb des Währungssystems stehen“ (G. Schön, Weltmünzkatalog, 20. & 21. Jh., 42. Auflage, 2014, Seite 386). Ab Mitte der 1990er brachte man das Gros der Goldmünzen nicht mehr in Sertrum, sondern nur noch in hohen Nominalen der Ngultrum-Währung heraus. Mit den seit den späten 1970ern beinahe jährlich erscheinenden multithematischen Gedenkmünzen in Silber und Gold ­erinnert das Land sowohl an alle denkwürdigen Ereignisse und Jubiläen im bhutanischen Königshaus als auch an internationale UN-Jahre, an internationale Sportereignisse, an FAO-Welternährungstage, an bedeutende Entdecker der Welt, an viele bedrohte Tierarten, an diverse Wunder der Welt, an den Naturschutz, an buddhistische Gottheiten und Klöster, an das buddhistische Welterbe Kambodschas, Koreas, Thailands und Chinas, aber auch an herausragende Ereignisse im britischen Königshaus, an große Meister in Kunst- und Kultur, an Meilensteine der Raumfahrt, an den chinesischen Mondkalender und etliches mehr. In der Regel diese edelmetallenen Gedenkmünzen in der aus 925er Feinsilber und aus 916,7er, 999er oder 999,9er Feingold. Aber auch Münzen aus 500er Feinsilber oder 583,33er Feingold lassen sich finden. Zu den großen Raritäten gehören sicherlich die ­Platinabschläge der 1, 2- und 5-Sertum-Goldstücke aus 950er Feinplatin.

Quelle: Abb. 1: cgb, Wikimedia; Abb. 2, 3, 4: Münzversand Hardelt, Kaiserslautern; Abb. 5: Münzen am Zoo (Pollandt), Berlin; Abb. 6: Joliedor (Tönjes), Wilhelmshaven. Den erwähnten Münzhandlungen sei an dieser Stelle ausdrücklich und herzlich gedankt.

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